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Internet ausgefallen
Zahnarztpraxis

Ist in der Zahnarztpraxis das Internet ausgefallen, sind nicht automatisch alle Programme betroffen. Was weiterläuft, hängt davon ab, ob eine Funktion nur das Praxisnetz braucht, einen Dienst im Internet oder die Telematikinfrastruktur (TI). TI-Anwendungen wie KIM, E-Rezept und Versichertenstammdatenabgleich sind ohne Verbindung nach außen nicht nutzbar; für einige nennt die KZBV Ersatzverfahren. Hier lesen Sie, wie Sie einen echten Internetausfall von der Störung einer einzelnen Anwendung unterscheiden, was Ihr Team gefahrlos feststellen kann und wann IT oder Anbieter übernehmen.

Schema: Praxisnetz mit PVS-Server ist mit dem Router verbunden, die Verbindung vom Router zu TI, KIM und Cloud-Diensten ist unterbrochen

Internet ausgefallen oder einzelne Anwendung gestört?

Der Satz „Das Internet geht nicht“ beschreibt in der Praxis oft sehr unterschiedliche Fehlerbilder. Bevor Sie Anbieter anrufen oder Geräte neu starten, lohnt eine kurze Einordnung. Sie entscheidet darüber, wer zuständig ist:

  • Nur eine Anwendung meldet einen Fehler

    Zum Beispiel lässt sich kein KIM-Postfach abrufen, aber Webseiten öffnen sich an demselben Rechner. Dann ist das Internet nicht ausgefallen. Sprechen Sie in diesem Fall nicht von einer allgemeinen Störung, sondern notieren Sie die genaue Fehlermeldung der betroffenen Anwendung. Fehlt nur die TI, hilft der Artikel TI-Verbindung nicht möglich beim Eingrenzen.

  • Nichts außerhalb der Praxis ist erreichbar

    Keine Webseite öffnet sich, Online-Dienste und TI-Anwendungen melden gleichzeitig Fehler, das Praxisnetz selbst funktioniert aber (Drucker und Praxissoftware arbeiten). Das spricht für eine Störung des Internetanschlusses oder des Routers.

  • Auch Praxissoftware, Drucker oder Netzlaufwerke streiken

    Dann ist eher das Praxisnetz oder der Server betroffen, nicht (nur) das Internet. Das ist ein anderer Fall, den Ihre IT-Betreuung prüfen sollte. Startet zum Beispiel die Praxissoftware nicht mehr, finden Sie Hinweise in Dampsoft startet nicht oder charly keine Verbindung zum SQL Server.

Ob die TI zentral gestört ist, veröffentlicht die gematik im TI-Status. Das Lagebild ist dort nach Anwendungen wie E-Rezept, ePA, KIM, VSDM und TI-Anschluss gegliedert. Eine dort gemeldete Störung erklärt aber keinen Ausfall Ihres eigenen Internetanschlusses. Umgekehrt ist ein unauffälliger TI-Status kein Beweis, dass in Ihrer Praxis alles in Ordnung ist.

Lokale und externe Funktionen erfassen

Eine allgemeine Zusage, welche Programme ohne Internet weiterlaufen, gibt es nicht. Das hängt von Ihrer Installation ab. Sinnvoll ist eine Abhängigkeitsliste, die Sie mit Ihrer IT-Betreuung einmal in Ruhe ausfüllen, bevor der Ernstfall eintritt. Unterscheiden Sie dabei drei Gruppen:

  • Lokal im Praxisnetz: Programme und Daten, die auf einem Server oder Rechner in der Praxis liegen, etwa eine lokal installierte Praxissoftware, Netzlaufwerke, Drucker und Scanner.
  • Extern im Internet: Dienste, die über das Internet bei einem Anbieter laufen, etwa Online-Terminbuchung, Cloud-Speicher, externe Datensicherung, Fernwartung, gewöhnliche E-Mail oder Internettelefonie.
  • TI-Anwendungen: alles, was über Konnektor oder TI-Gateway läuft, etwa KIM, E-Rezept, eAU, EBZ, ePA und der Versichertenstammdatenabgleich.

Die folgende Matrix ist eine Vorlage. Die Spalte „Ihre Praxis“ tragen Sie selbst ein. Nur die Angaben zu den TI-Anwendungen sind durch KZBV bzw. gematik belegt.

Funktion Benötigt Ihre Praxis: läuft ohne Internet? (getestet am) Ersatzweg / zuständig
Praxissoftware (Terminbuch, Karteikarte, Abrechnung)Je nach Installation: lokaler Server oder Anbieter im Internet Beim PVS-Hersteller erfragen
Röntgen- und BildsoftwareJe nach Installation Hersteller / Dentaltechnik
Drucker, Scanner, NetzlaufwerkeIn der Regel Praxisnetz IT-Betreuung
Telefonie, E-Mail, Online-Terminbuchung, Cloud-DiensteJe nach Vertrag Internet Jeweiliger Anbieter
Externe Datensicherung, FernwartungInternet IT-Betreuung
KIM, eAU, EBZTI (laut KZBV)neinErsatzwege der KZBV, siehe unten
E-RezeptTIneinLaut KZBV Papierrezept (Muster 16)
eGK-Prüfung (VSDM)TI (laut KZBV)neinLaut KZBV Ersatzverfahren

PVS, TI, KIM und Cloud getrennt betrachten

Praxissoftware ohne Internet

Ob Ihre Praxissoftware (PVS) ohne Internet nutzbar bleibt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Für dieses Thema liegt uns keine Herstellerangabe vor, die für ein bestimmtes Produkt einen Offline-Betrieb zusagt. Grundsätzlich gilt: Liegt die Datenbank auf einem Server in der Praxis, ist die Praxissoftware auf das Praxisnetz angewiesen, nicht unbedingt auf das Internet. Wird sie dagegen über das Internet bei einem Anbieter betrieben, fällt sie mit dem Anschluss aus. Fragen Sie Ihren PVS-Hersteller, welche Funktionen Ihrer Installation eine Internet- oder TI-Verbindung brauchen, und tragen Sie das Ergebnis in die Matrix ein. Auch bei lokaler Installation bleiben alle TI-Funktionen innerhalb der Praxissoftware gestört.

TI-Zugang über Konnektor oder TI-Gateway

Laut gematik erfolgt der TI-Zugang entweder über einen Konnektor mit VPN-Zugangsdienst oder über ein TI-Gateway, bei dem sich die Praxis per VPN-Verbindung mit dem Rechenzentrum eines Anbieters verbindet. In beiden Fällen wird eine Verbindung aus der Praxis heraus aufgebaut. Fällt der Internetanschluss aus, sind daher auch die TI-Anwendungen in der Regel nicht erreichbar.

Was KZBV und gematik für TI-Anwendungen beschreiben

  • KIM

    Laut KZBV funktioniert KIM nur innerhalb der TI. Heil- und Kostenpläne (EBZ) und eAU werden verpflichtend über KIM versendet.

  • E-Rezept

    Die KZBV nennt als Ersatzverfahren das Papierrezept (Muster 16), unter anderem wenn keine Verbindung zur TI oder zum Internet besteht.

  • eAU

    Laut KZBV speichert das PVS die Daten bei einer Störung und versendet sie, sobald es wieder möglich ist. Für Fälle, in denen die Störung schon während des Praxisbesuchs besteht oder sich nicht bis zum Ende des nachfolgenden Werktags beheben lässt, beschreibt die KZBV Papier-Ausfertigungen für die Krankenkasse.

  • EBZ

    Die KZBV beschreibt für technische Störfälle einen Papierausdruck des elektronischen Antrags (Stylesheet). Danach ist laut KZBV keine zusätzliche elektronische Übermittlung zulässig, die Kasse antwortet ebenfalls auf Papier.

  • eGK und Versichertenstammdaten

    VSDM funktioniert laut KZBV nur innerhalb der TI. Kann die Praxis keine Verbindung zur TI herstellen, wendet sie laut KZBV das Ersatzverfahren an.

  • ePA

    Die elektronische Patientenakte wird laut gematik über die TI genutzt und ist damit ebenfalls auf den TI-Zugang angewiesen.

Ob im Einzelfall ein Ersatzverfahren angewendet wird, entscheidet die Praxis anhand der aktuellen Vorgaben von KZBV und zuständiger KZV. Dieser Artikel ersetzt diese Vorgaben nicht. Ob eine Behandlung trotz Ausfall stattfinden kann, ist eine medizinische Entscheidung der Zahnärztin oder des Zahnarztes, keine IT-Frage.

Cloud- und Online-Dienste

Online-Terminbuchung, Cloud-Speicher, externe Datensicherung oder Internettelefonie hängen am Internetanschluss oder an der Erreichbarkeit des Anbieters. Klären Sie mit jedem Anbieter, was bei einem Verbindungsabbruch passiert, zum Beispiel ob Daten nachträglich synchronisiert werden. Halten Sie das in der Matrix fest.

Sichere Beobachtungen ohne Netzumbau

Ihr Team kann die Lage beschreiben, ohne etwas am Netzwerk zu verändern. Diese Beobachtungen sind gefahrlos:

Beobachtung Mögliche Einordnung Sicherer nächster Schritt Zuständig
Nur eine Anwendung meldet einen Fehler, Webseiten öffnen sichStörung dieser Anwendung, kein InternetausfallFehlermeldung wörtlich notieren, keine globale Störung meldenHersteller der Anwendung / IT-Betreuung
Keine Webseite, keine TI, Praxissoftware lokal nutzbarInternetanschluss oder Router gestörtLeuchtanzeigen am Router ablesen, Uhrzeit notieren, betroffene Funktionen in der Matrix markierenIT-Betreuung / Internetanbieter
TI-Anwendungen gestört, Internet funktioniertTI-Zugang oder zentrale TI-StörungTI-Status der gematik ansehenIT-Betreuung / TI-Anbieter
Auch Praxissoftware, Drucker oder Netzlaufwerke gestörtPraxisnetz oder Server betroffenBetroffene Arbeitsplätze und Geräte auflisten, nichts umsteckenIT-Betreuung
Nur ein Arbeitsplatz ohne VerbindungProblem an diesem Gerät oder seinem AnschlussMit funktionierendem Arbeitsplatz vergleichenPraxisteam, dann IT-Betreuung

Bitte nicht selbst durchführen

Keine Kabel am Router, Konnektor oder Switch umstecken, keine Router- oder Firewall-Einstellungen ändern und keine Geräte auf Werkseinstellungen zurücksetzen. Die gematik weist darauf hin, dass eine unsachgemäß konfigurierte Firewall zu Sicherheitslücken oder Verbindungsproblemen zur TI führen kann. Einen privaten Hotspot schließen Sie nicht an das Praxisnetz an. Er ist kein Ersatz für den eingerichteten Praxis- und TI-Zugang.

Anbieter, IT und Praxisbetrieb koordinieren

Bei einem Ausfall sind meist mehrere Stellen beteiligt. Legen Sie vorab fest, wer in der Praxis Ansprechpartner ist und wer welchen Anbieter informiert:

  • Internetanbieter

    Zuständig für den Anschluss bis zum Router. Halten Sie Ihre Vertrags- oder Kundennummer bereit.

  • IT-Betreuung der Praxis

    Prüft Router, Firewall, Praxisnetz und Server und entscheidet, ob ein Ersatzweg technisch sinnvoll ist.

  • TI-Anbieter

    Ihr Anbieter für VPN-Zugangsdienst bzw. TI-Gateway ist zuständig, wenn das Internet wieder geht, die TI aber nicht.

  • PVS-Hersteller

    Beantwortet, welche Funktionen Ihrer Installation ohne Internet nutzbar sind und wie ausstehende Vorgänge nach der Störung behandelt werden.

  • Praxisleitung

    Entscheidet über Abläufe am Empfang, über Ersatzverfahren nach den Vorgaben von KZBV und KZV und über die Information der Patientinnen und Patienten.

Für den Support sollten Sie diese Angaben bereithalten:

  • Beginn der Störung mit Datum und Uhrzeit
  • Welche Funktionen betroffen sind und welche weiterlaufen (Matrix)
  • Genauer Wortlaut von Fehlermeldungen, als Foto ohne sichtbare Patientendaten
  • Betroffene Arbeitsplätze und ob alle oder nur einzelne Geräte betroffen sind
  • Zustand der Leuchtanzeigen an Router und, falls vorhanden, Konnektor
  • Vorausgegangene Änderungen: Routertausch, Updates, Arbeiten am Netzwerk
  • Produktversion der Praxissoftware

Problem nicht behoben? Nennen Sie uns Produktversion, genaue Fehlermeldung, betroffene Arbeitsplätze und den Zeitpunkt des ersten Auftretens. Unseren IT-Support für Zahnarztpraxen erreichen Sie über die Leistungsseite. Bitte senden Sie keine Patientendaten oder Zugangsdaten über das Anfrageformular.

Normalbetrieb und ausstehende Vorgänge kontrollieren

Ist die Verbindung wieder da, sollte nicht einfach alles erneut gesendet werden. Prüfen Sie Schritt für Schritt:

  1. Verbindung an mehreren Arbeitsplätzen prüfen Webseiten, Praxissoftware und mindestens eine TI-Anwendung funktionieren an allen vorher betroffenen Arbeitsplätzen.
  2. Postausgang und KIM-Status ansehen Prüfen Sie im PVS, ob gespeicherte eAU und andere KIM-Nachrichten inzwischen als versendet gelten. Laut KZBV werden eAU-Daten nach der Störung versendet, sobald es wieder möglich ist.
  3. Kein Massen-Neuversand Senden Sie Vorgänge nicht pauschal erneut. Wurde ein EBZ-Antrag im Störfall auf Papier geschickt, ist laut KZBV keine zusätzliche elektronische Übermittlung zulässig. Fehlt eine Antwort auf einen elektronischen Antrag, lesen Sie EBZ-Rückmeldung fehlt.
  4. Ersatzverfahren dokumentieren Halten Sie fest, für welche Vorgänge während des Ausfalls Papierwege oder Ersatzverfahren genutzt wurden, damit nichts doppelt erledigt wird.
  5. Datensicherung und Cloud-Dienste kontrollieren Lassen Sie prüfen, ob eine externe Datensicherung während des Ausfalls ausgefallen ist und ob die nächste regulär durchläuft. Prüfen Sie, ob Online-Termine nachträglich angekommen sind.
  6. Matrix aktualisieren Tragen Sie ein, was tatsächlich weiterlief und was nicht. So ist die Abhängigkeitsliste beim nächsten Ausfall belastbar.

Als Erfolgstest gilt: Alle Funktionen, die in der Matrix als gestört markiert waren, arbeiten wieder an allen betroffenen Arbeitsplätzen. Kein Vorgang aus der Ausfallzeit steht ohne Klärung offen. Die nächste reguläre Datensicherung ist erfolgreich durchgelaufen.

Häufige Fragen

Funktioniert die Praxissoftware ohne Internet?

Das hängt von Ihrer Installation ab und lässt sich nicht pauschal zusagen. Liegt die Datenbank auf einem Server in der Praxis, braucht die Software vor allem das Praxisnetz. Wird sie über das Internet betrieben, fällt sie mit dem Anschluss aus. TI-Funktionen wie KIM, E-Rezept oder eGK-Prüfung sind ohne Verbindung nicht nutzbar. Klären Sie die Offline-Fähigkeit Ihrer Installation mit dem PVS-Hersteller.

Ist ein privater Hotspot geeignet?

Nicht als Ersatz für das Praxisnetz oder den TI-Zugang. Konnektor bzw. TI-Gateway, Firewall und Praxisnetz sind für den bestehenden Anschluss eingerichtet. Laut gematik kann eine unsachgemäß konfigurierte Firewall zu Sicherheitslücken oder Verbindungsproblemen führen. Ob und wie ein Ersatzanschluss sinnvoll ist, entscheidet Ihre IT-Betreuung mit dem TI-Anbieter.

Was muss nach dem Ausfall geprüft werden?

Ob alle Arbeitsplätze wieder verbunden sind, ob gespeicherte KIM-Nachrichten und eAU versendet wurden, welche Vorgänge auf Papier oder im Ersatzverfahren liefen und ob die Datensicherung wieder regulär läuft. Senden Sie Vorgänge nicht pauschal erneut, damit keine Doppelungen entstehen.

Quellen

Angaben ohne Gewähr. Wir stützen uns auf die genannten Herstellerquellen, zuletzt geprüft am . Software, Versionen und Abläufe ändern sich jedoch. Maßgeblich ist der aktuelle Stand des Herstellers. Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Prüfung Ihres Systems; Eingriffe an Server, Datenbank und TI-Komponenten gehören in fachkundige Hände.